Wie lernen wir gehirngerecht?

Gehirne sind genial. Warum bereitet uns das Lernen dann oft Schwierigkeiten? Weil wir nicht so lernen, wie es das Gehirn mag?

 

Das Gehirn ist ein "Problemlöseinstrument". Es sucht immer nach Regeln: Was heute so ist, wie es gestern war und was (wahrscheinlich) morgen auch noch gilt. Einen Apfel erkennen wir immer als einen Apfel, ob kleiner oder größer, ob grün, gelb oder rot gefärbt. Wie genau gefärbt der letzte gegessene Apfel war und wo er vielleicht eine Macke hatte - daran erinnern wir uns nicht, weil unser Gehirn nicht zum Abspeichern von irgendwelchen Details gemacht ist.

Lernen durch Wiederholung

Natürlich kann ein Gehirn aber auch Daten speichern wie z.B. das Einmaleins. Durch oft wiederholtes Operieren mit Mengen merkt das Gehirn: "2 mal 4 ist 8. Oh, das kenn ich schon. Das war letzte Woche schon so. Gestern auch. Und heute wieder. Das kommt oft vor und scheint wichtig zu sein. Dann sollte das mal in die Schublade 'Langzeitgedächtnis'."

Lernen mit Begeisterung

Das Gehirn verändert sich nicht dementsprechend, wie man es nutzt - es ist ja kein Muskel, den es einfach nur zu trainieren gilt - das Gehirn verändert sich wie gewünscht, wenn man es mit Begeisterung nutzt!

Dazu gehört, dass man sich wohlfühlt, dass man den Lerngegenstand als interessant bewertet (lernenswert) und er weder unter- noch überfordert.

Lernen allein oder in Gemeinschaft

Es lernt immer das einzelne Gehirn. Wenn es z.B. um Rechenfertigkeiten geht, dann wählen Kinder "ihren" Rechenweg aus und üben selbständig in ihrem eigenen Lerntempo, mal mit drei Wiederholungen, mal mit zwanzig.

Dennoch sprechen Hirnforscher immer wieder vom "Social Brain". Das Lernen in der Gemeinschaft regt an, motiviert und fördert soziale Fähigkeiten. Kinder lernen viel durch Nachahmung, am liebsten von Gleichaltrigen.

Neurobiologische Erkenntnisse in vier Sätzen

Gerald Hüther und Inge Krens fassen die Erkenntnisse über Kinder und ihre Entwicklung im Vorwort ihres Buches "Das Geheimnis der ersten neun Monate" zusammen:

  1. Kinder sind zu jedem Zeitpunkt ihrer Entwicklung weitaus kompetenter, als wir bisher angenommen haben.
  2. Um sich optimal entwickeln zu können, brauchen sie die Erfahrung, willkommen zu sein und in den Eltern bzw. Pflegepersonen sichere Bindungspartner zu finden, die ihre Bedürfnisse in angemessener Weise beantworten.
  3. Sie suchen sich ihren Weg und erschließen sich die Welt aus eigenem Antrieb; und wir können ihnen dabei Mut machen, ihnen mögliche Wege zeigen und sie unterstützen, wenn sie allein (noch) nicht weiterkommen und sich zurechtfinden.
  4. Jeder Schritt auf dieser Entdeckungsreise wird durch all das bestimmt, was Kinder im Verlauf ihres bisherigen Lebens bereits entdeckt und in ihrem Gehirn verankert haben.